4. September 2007

Fahrbericht BMW 118d vs. 120i: Alt gegen neu

BMW 120i
BMW 120i © Foto: BMW

Die Diesel stoßen nach langer Zeit wieder auf ernste Gegenwehr aus der Benzinerfraktion. Insbesondere BMW setzt wieder verstärkt auf die drehfreudigen Versionen mit kleinem Hubraum und ohne Selbstzündung.




Von Stefan Grundhoff und Stefan Zaumseil

Trotz seines turbulent diskutierten Designs konnte BMW seit Einführung mehr als 200.000 Fahrzeuge der 1er Serie an Mann und Frau bringen. Mit der neuesten Motorengeneration dürfte sich die Verkaufszahl spürbar steigern lassen. Ab sofort verfügen die Vierzylinder (abgesehen vom 116er) über eine Start-Stopp-Automatik, ein regeneratives Bremssystem und deutlich mehr Leistung. Einen kräftigen Schluck aus der isotonischen Powerpulle und dazu noch deutlich weniger Verbrauch? Hört sich gut an und ist Grund genug alt und neu einmal gegeneinander überzustellen.


Diesel mit satter Leistung

Da sich die optischen Veränderungen bei der neuen 1er-Reihe ebenso im Rahmen halten wie beim größeren 5er, kann man sich guten Gewissens auf die Technik unter der Motorhaube beschränken. Hier hat sich einiges getan.

Dass besonders die beiden Dieselversionen 118d und 120d bei den 1er-Kunden hoch im Kurs standen, hat einen handfesten Grund: sie boten mit 129 bzw. 163 PS Leistung satt und hielten sich an der Tankstelle angenehm zurück. Bereits mit dem alten 118d war man gut bedient. 95 kW/129 PS reichen schon dank des üppigen Drehmoments aus, mit dem betont straff abgestimmten Klein-Bayern sportlich unterwegs zu sein.

Einstiegsdiesel solide im Futter

Solide Fahrleistungen
Solide Fahrleistungen © Foto: press-inform

Die Fahrleistungen lassen einen nicht wirklich neidisch zum 120d mit seinen 163 PS herüberblicken. Denn der Einstiegsdiesel steht im Gegensatz zu seinen müden Benzinbrüdern solide im Futter und ist in der City ebenso souverän unterwegs wie auf Landstraße und Autobahn.

So sehr man den 1,4 Tonnen schwere Hecktriebler mit seinem exzellenten Fahrwerk, der grandiosen Lenkung und der knackigen Schaltung auch durch Kurven und Kehren scheucht - mehr als 6,5 Liter laufen auf 100 Kilometern nicht durch die Hochdruck-Einspritzdüsen.

Benziner mit mehr Leistung

Nicht mehr ganz so müde
Nicht mehr ganz so müde © Foto: BMW

Bei der neuen 1er-Generation sollen endlich auch die bislang allzu trägen Benziner überzeugen und Ansprüche der BMW-Fahrer erfüllen. Denn BMW legt Wert darauf, dass die neue 1er-Generation nicht nur sparsamer ist, sondern auch deutlich bessere Fahrleistungen bietet.

Ein Blick ins Datenblatt unterstreicht die überschwänglichen Ausführungen der Motorenentwickler. Statt 110 kW/150 PS und 200 Nm bietet der neue BMW 120i als Aushängeschild der Massen 125 kW/170 PS und 210 Nm. Hört sich kaum eindrucksvoll an - fährt sich aber so. 0 auf 100 km/h in nunmehr 7,7 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von über 220 km/h passen endlich auch deklaratorisch zum sportlichen Anspruch des Einstiegsbayern.

Sportliche Symbiose

Kaum optische Veränderungen
Kaum optische Veränderungen © Foto: BMW

Bei aller Dynamik soll sich der neue 120er mit gerade einmal 6,4 Liter SuperPlus auf 100 Kilometern zufrieden geben. Das hätte fast schon Dieseldimensionen, auch wenn sich der Verbrauch bei den Testfahrten auf der Referenzstrecke bei rund sieben Litern einpendelte.

Die Symbiose aus sportlichen Fahrleistungen und einem Durchschnittsdurst von sieben Litern können sich hören und erfahren lassen. Pro Kilometer bläst der neue 120i gerade einmal karge 152 g CO2 in die Umwelt.

Regeneratives Bremssystem

Möglich macht dies nicht nur eine neue Motorelektronik, sondern insbesondere ein regenerative Bremssystem und eine Start-Stopp-Automatik, wie man sie bereits von Volkswagen-Modellen der frühen 80er Jahre und den aktuellen Citroen-Modellen C2/C3 kennt. Damit man auch im laufenden Verkehr den Benzinfluss zügelt, zeigt im BMW eine Schaltpunktanzeige, wie früh der Fahrer in die nächste Gangstufe wechseln kann.

Die neuen Motoren basieren weitgehend auf den alten Triebwerken, wurden technisch jedoch mächtig aufgebrezelt. Bei der neuen Generation von Vierzylindern wird das Benzin per Präzisionseinspritzung besonders effizient in die Brennkammer gespritzt. Das regenative Bremssystem erzeugt bei jedem Bremsvorgang elektrische Energie, die die Bordelektronik unterstützt.

Start-Stopp serienmäßig

Start-Stopp-System serienmäßig
Start-Stopp-System serienmäßig © Foto: press-inform

Anders als bei VW oder Citroen gibt es das Start-Stopp-System nicht als Öko-Option für spezielle Spar-Triebwerke, sondern ist serienmäßig bei allen 1er-Modellen - egal ob Benziner oder Diesel. Einzig der alte und besonders müde 116er bleibt zunächst im Programm und soll erst mittelfristig von den neuen Mini-Triebwerken mit 1,6 Litern Hubraum abgelöst werden.

Die Technik der Start-Stopp-Automatik ist weitgehend mit den bekannten Modulen von VW und PSA identisch. Steht der Wagen zum Beispiel im Leerlauf an der Ampel, geht der Motor nach Loslassen der Kupplung aus, um beim Einkuppeln in Sekundenbruchteilen wieder zu starten.

Benziner spritziger als Vorgänger

Die Kraftstoffersparnis ist beim oftmals nervigen hin und her in der City deutlich zu spüren. BMW spricht ebenso wie Citroen von rund 20 Prozent, die so eingespart werden können. Bei Überlandfahrten und auch der Autobahn merkt man nichts von Start und Stopp. Hier freut sich der Fahrer allein über die deutlich hinzugewonnene Kraft des Benziners.

Der 120i fährt sich gerade in höheren Drehzahlen deutlich spritziger und elastischer als bisher, wo man der Dieselkonkurrenz aus eigenem und fremdem Haus zumeist den Vortritt lassen musste.

Kein Sparweltmeister

Diesel oder Benziner, das ist die Frage
Diesel oder Benziner, das ist die Frage © Foto: press-inform

Soll es nun ein Diesel sein oder haben die neuen Benziner eine Chance, beliebte Modelle wie 118d oder 120d zu verdrängen? In punkto Fahrfreude konnten die Saugtriebwerke deutlich zulegen. Die ihnen eigene Müdigkeit vergangener Zeiten ist verschwunden, doch als echter Sparweltmeister konnte sich der BMW 120i nach den ersten Testfahrten kaum profilieren.

Wer flott unterwegs ist, kann sich über einen Verbrauch von kaum über sieben Litern auf 100 Kilometern freuen und das ist bei 170 PS ja auch schon etwas. Deutliche Einsparpotenziale gibt es allein in der belebten Innenstadt, wenn das Start-Stopp-System effizient zum Einsatz kommt.

In dubio pro Diesel

Besser ein Diesel
Besser ein Diesel © Foto: press-inform

Nicht zu vergessen: auch die Dieselversionen sind durch die neuen Motorenkomponenten sparsamer geworden. Wer unsicher ist, sollte sich lieber für einen Diesel entscheiden. Mit 105 kW/143 PS hat auch der neue 118d an Leistung zugelegt. Wer sparsam mit dem rechten Pedal umgeht, verbraucht durchschnittlich zwischen 5 und 5,5 Liter Diesel. Sein beeindruckender CO2-Gehalt: 123 g/km.

Der Einstiegspreis für den neuen Vorzeigebenziner BMW 120i als Fünftürer liegt bei 25.850 Euro. Die Serienausstattung ist ernüchternd karg. Fast alle Annehmlichkeiten lässt sich BMW auch bei der neuesten 1er Generation extra bezahlen. Der neue 118d startet bei 25.300 Euro.






Mehr zur Marke BMW

EICMA MailandBMW Motorrad startet mit vier neuen Modellen durch

BMW wird in der Motorradsaison 2018 vier neue Modelle auf den Markt bringen. Darunter ist mit der C 400 X auch ein neuer Mittelklasse-Roller.


Verstöße gegen EmissionsvorschriftenSüdkorea: Millionenstrafen für BMW, Daimler und Porsche

Den deutschen Autoherstellern BMW, Daimler und Porsche drohen in Südkorea Millionenstrafen wegen Verstößen gegen Emissionsvorschriften. Den höchsten Teil soll BMW zahlen.


Nach neun MonatenBMW muss Ziele zurücknehmen

BMW hat sich für dieses Jahr nur noch ein Umsatzplus von bis zu fünf Prozent vorgenommen. Bisher war der Autobauer von bis zu zehn Prozent ausgegangen.



Mehr aus dem Ressort

Porsche hat auch den Panamera Kombi hybridisiert
Turbo S E-Hybrid Sport Turismo mit 680 PSHybrider Porsche Panamera Kombi: Teilzeit-Stromer der Superlative

Porsche hat die Kombivariante des Panamera an den Stecker gepackt. Die hybride Zufuhr dient dem Turbo S E-Hybrid Sport Turismo dabei sowohl der Leistungssteigerung als auch der emissionsfreien Fahrt durch urbane Umweltzonen.


Japaner polarisiertHonda Civic Type R: Fast and Furios

Dieses Auto polarisiert: Die einen fahren auf das Design des Honda Civic Type R ab, für die anderen wirkt es schlicht prollig. Dabei hat der Japaner abseits seines Aussehen viele Stärken.


Der Fiat Fullback Cross fühlt sich abseits der Straßen sehr wohl
Baugleich mit dem Mitsubishi L200Fiat Fullback Cross: Das Problem mit der Verwandtschaft

Das Segment der Pickups bildet noch eine kleine Community in Europa. Der Fiat Fullback Cross trifft dabei auf eine große multikulturelle Verwandtschaft der Lastenträger.