11. April 2012

Fahrbericht Einstiegspreis 77.700 Euro Audi A8 Hybrid: Mit Bestwert beim Verbrauch

Der Audi A8 Hybrid glänzt mit einem Bestwert beim Verbrauch.
Der Audi A8 Hybrid glänzt mit einem Bestwert beim Verbrauch. © Audi

Es hat etwas gedauert, doch nun kann auch Audi den A8 mit einem Hybridantrieb anbieten. Ab Juni rollt das Fahrzeug auf den Markt. Was das Flaggschiff der Ingolstädter zu bieten hat, zeigt unser Test.




Lange Jahre hat die deutsche Autoindustrie den Hybridantrieb klein, wenn nicht gar schlecht geredet. Das ist vorbei. Man spricht gewissermaßen „Hybrid“ und das nicht ohne Berechtigung. Dem Vollhybriden mit Leistungsverzweigung á la Toyota setzt man ein System entgegen, das den E-Motor an ein Automatikgetriebe anbindet. Im Detail finden BMW, Daimler, Audi, Porsche oder VW unterschiedliche Lösungen, das Prinzip der Hybridisierung jedoch ist bei allen gleich.

Nachdem Mercedes bereits vor zwei Jahren eine milde Hybridvariante in der S-Klasse vorgestellt hat, bringt Audi nun mit dem A8 Hybrid eine Alternative auf den Markt. Ab Juni soll die Limousine vor allem auch chinesische Kunden überzeugen. In Deutschland kostet der A8 mit zusätzlichem E-Motor ab 77.700 Euro und liegt damit auf dem Niveau des A8 3.0 TDI mit 245 PS.


Audi A8 mit 45 PS starkem E-Motor

Im Hybrid erzeugt ein Vierzylinder-Benziner 155 kW/211 PS und der scheibenförmige E-Motor in der Getriebeglocke steuert 40 kW/54 PS bei. Die Systemleistung beträgt 245 PS und liegt damit auf dem Niveau des TDI. Das maximale Systemdrehmoment gibt Audi mit 480 Newtonmetern an. Wie schon bei den Toyota-Hybriden fällt die Addition der Werte höher aus als die angegebene Leistung. Auch hier spielt die Leistungsabgabe der Batterie eine Rolle. Mit 1,3 kWh speichert sie aber genügend Strom, um die große Limousine bis zu einem Kilometer weit mit bis zu 60 km/h elektrisch zu bewegen.

Wesentliches Argument für die Verwendung eines Hybridantriebs ist der sparsame Umgang mit Treibstoff. Der A8 Hybrid benötigt im Schnitt 6,3 Liter Super und emittiert 147 Gramm CO2 je Kilometer. Das ist der aktuelle Bestwert in der Oberklasse. Bei ersten Ausfahrten rund um den Produktionsstandort Neckarsulm zeigte der Bordcomputer im gemischten Betrieb aus Stadt, Autobahn und Landstraßen Werte um acht Liter. Nicht schlecht für eine große Limousine, und bei sehr zurückhaltender Fahrweise ließe sich sicher ein weiterer Liter einsparen.

Die Seintenansicht des Audi A8 Hybrid
Die Seintenansicht des Audi A8 Hybrid © Audi

Ein wenig Zurückhaltung im Umgang mit dem Gaspedal ist ohnehin geboten, denn die ganze Kraft der zwei Herzen zerrt ausschließlich an den Vorderrädern. Speziell beim Ampelstart, wenn nach dem Tritt aufs Gas der Vierzylinder erst anspringt und man deshalb unwillkürlich etwas mehr Gas gibt, reagieren die Vorderräder recht heftig und die Traktionskontrolle sieht sich bemüßigt, das Zuviel an Leistung wieder weg zu regeln.

China wichtiger Markt für A8 Hybrid

Leistungsgewohnte Kunden könnten sich an dieser Art der Vortriebsgestaltung stören, zumal der Einfluss in der Lenkung durchaus spürbar ist. Andererseits dürfte Deutschland nicht der Hauptmarkt für den A8 Hybrid werden und auch die Amerikaner werden eher zögerlich zugreifen, weil sie einen Vierzylinder im oberen Marktsegment traditionell nicht goutieren.

Anders in China. Dort ist Audi stark vertreten und für den Verkehr in den Megastädten des Reiches der Mitte dürfte der A8 Hybrid ideal sein. Beschleunigungsorgien verbieten sich dort sowieso. Das gewünschte gelassene Gleiten wiederum beherrscht der Audi perfekt. Weil Chinesen, anders als deutsche Käufer, einen Dieselmotor nicht als Alternative ansehen, dürfte der Hybrid ein sehr treffendes Angebot für eine umweltbewusste chinesische Oberschicht sein.

Das Heck des Audi-Flaggschiffs
Das Heck des Audi-Flaggschiffs © Audi

Damit der Hybrid auch in Deutschland eine Chance hat, haben die Marketingstrategen von Audi spitz gerechnet. Hieß es früher immer, ein Hybrid sei zu teuer, beweisen just die Deutschen nun, dass die Technik in das normale Preisgefüge passt. Der A8 hat zum Hybridantrieb noch ein paar Extras serienmäßig an Bord. So verfügt er ab Werk über die Dreizonenklimaanlage und Voll-LED-Scheinwerfer. Von seinen normal betriebenen Geschwistern unterscheidet er sich zudem durch neue, silberne Farbtöne und Leichtmetallräder im Turbinendesign.

Das sind allerdings Details, die wohl ausschließlich den Audi-Insidern auf der Straße auffallen werden. Womit auch in dieser Hinsicht klar ist, dass Hybrid heute eine ganz normale Antriebsform geworden ist, deren Nutzung nicht groß herausgestellt werden muss. Apropos herausgestellt: Dass das Kofferraumvolumen mit 330 Litern deutlich kleiner ausfällt, als bei einem normalen A8, schreibt Audi ziemlich kleingedruckt in die Preisliste. (SP-X)






Mehr zur Marke Audi

Audi-Entwicklungsvorstand Peter Mertens«Was wir ankündigen, setzen wir auch um»

Audi kann seinen Kunden bisher kein Elektroauto anbieten. Entwicklungsvorstand Peter Mertens findet das unproblematisch, wie er der Autogazette sagte.


Auf 999 Exemplare limitiertAudi R8 RWS: Für puristische Allrad-Gegner

Audi bringt eine neue Variante des R8 auf den Markt. Der RWS ist vor allem für diejenigen Anhänger des Purismus gedacht, die einem Allrad-Sportwagen skeptisch gegenüber stehen.


Tadelloser Kleinwagen Audi A1: Unerkannter Musterprofi

Dem Audi A1 war zu Beginn vor rund sieben Jahren kein großer Erfolg beschieden. Dabei schlägt sich Audis Kleiner besonders gut auch als Gebrauchter – und eine tierisch große Fangruppe hatte er leider auch.



Mehr aus dem Ressort

Neues SUV der RüsselsheimerOpel Grandland X: Der Aufsteiger

Das SUV-Segment wächst und wächst. Daran will auch Opel teilhaben. Deshalb setzen die Rüsselsheimer ihre SUV-Offensive fort und bringen nach dem Mokka X, dem Crossland X nun den Grandland X auf dem Markt.


Kia steigt mit dem Stonic in das Segment der Mini-SUV ein
Neues Mini-SUVKia Stonic: Tonangebend durch die trendige Harmonielehre

Kia steigt mit dem Stonic in das Segment der kleinen SUV ein. Auf dem optisch geländefähigen Ableger des Rio setzen die Koreaner ganz hohe Erwartungen.


VW vergrößert das Einsatzgebiet des Crafter
69 verschiedene Kombinationen des NutzfahrzeugsVW Crafter: Den Mount Everest ausgetrickst

Die Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen hat dem Crafter neue Derivate zukommen lassen. Der im vergangenen Jahr zum Van of the Year gewählte Transporter wird beim Angebot trotzdem weiter nachlegen.