2. Juni 2008

Fahrbericht Fahrbericht Audi A3 1.4 TFSI Die Pensionierung des Schaltknüppels

Der überarbeitete Audi A3
Der überarbeitete Audi A3 © Foto: Audi

Die Auswahl ist riesig. Ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen und ein Sportfahrwerk auf Knopfdruck zählen zu den auffälligsten neuen Möglichkeiten am überarbeiteten Audi A3.




Von Martin Woldt

Wer sich durch die üppigen Ausstattungs- und Optionslisten des gerade renovierten Audi A3 gewühlt hat, dürfte nebenbei die sittliche Reife erlangt haben, die anstehende Einkommenssteuererklärung weitgehend allein auf den Weg zu bringen. Kein anderes Auto - abgesehen vielleicht vom VW Golf - macht dem Kunden die Qual der Wahl so schwer wie dieser Kompakte mit Premiumanspruch aus Ingolstadt.


Über 20 Motor-Getriebe-Kombinationen

Das wird sich nach der jüngsten Modellrenovierung nicht ändern. Allein die verschiedene Motoren- und Getriebekombinationen lassen sich schon lange nicht mehr an vier Händen mehr abzählen. Gab es beispielsweise das Doppelkupplungsgetriebe bislang für «nur» fünf Motorvarianten, kann man nun, wenn man jeweils das nötige Kleingeld dafür aufbringt, alle acht Aggregate damit bestücken. Beim 1.6, 1.4 TFSI und 1.8 TFSI operiert es dann statt mit sechs, mit sieben Schaltstufen.

Reduzierter Verbrauch

Das Heck des überarbeiteten Audi A3
Das Heck des überarbeiteten Audi A3 © Foto: Audi

Natürlich gibt gute Gründe dafür. Wie sich am besten beim 1,4 TFSI mit 92 kW/125 PS zeigt. Der bediente sich bislang mit seiner Sechsgang-Handschaltung im Schnitt mit 6,5 Litern Super auf 100 Kilometern. Im renovierten Zustand ist er jetzt mit 5,9 Litern zufrieden. Schraubt man ihm gar das neue Doppelkupplungsgetriebe an den Motorblock, tut er es im A3 auch mit 5,6 Litern.

Am auffälligsten sinkt dabei der Innerortsverbrauch. Der liegt mit Handschaltung noch bei 7,8 Litern und wird von der neuen S-Tronic auf 7,1 Liter gezüchtigt. Sechs sportlich übersetzten Gängen ist ein siebter, sparsamer hinzugefügt worden. Damit lässt sich das Ende des Öl-Zeitalters zwar auch nicht aufhalten, ist aber im Rahmen einer Modellüberarbeitung eine vernehmliche Ansage. Ihr liegt allerdings eine Investition von 1.750 Euro zugrunde. Soviel ist der 1,4 TFSI mit S-Tronic teurer als der alternative Sechsgang-Handschalter.

Lineare Beschleunigung

Immerhin wird der Mehraufwand dem Kunden nicht nur an der Tankstelle versüßt. Die 200 Newtonmeter maximales Drehmoment kann er im Drehzahlband zwischen 1.500 und 4.000 Touren im besten Wortsinn erfahren und hat kaum 9,3 Sekunden Zeit, ehe er die Tachonadel nach dem Start über die 100 km/h-Marke wischen sieht. Was noch gestern ein rasanter Vorgang aus etlichen Lastwechseln mit der entsprechenden Zugkraftunterbrechung und ehrlicher Arbeit am Schaltknüppel war, wird mit der S-Tronic beinahe zur linearen Beschleunigung. Den Schaltvorgang nimmt man als Fahrer fast nur noch mit den Ohren war. Das mögen Puristen vielleicht verwerflich finden, die meisten aber als puren Fahrspaß begreifen.

Noch mehr Druck

Wenig Änderungen im Innenraum
Wenig Änderungen im Innenraum © Foto: Audi

Noch größeren, durch die Turbolader entfachten Druck kann man im 1,8 TFSI mit seinen 118 kW/160 PS erleben, der in 7,5 Sekunden von null auf hundert sprintet. Auch er ist mit der S-Tronic sparsamer, wenn auch nicht so deutlich. Dafür lässt er sich mit einer anderen Novität kombinieren, die es im A3 und A3 Sportback, das ist die viertürige Version, erst ab 160 PS, bei den Dieselversionen schon ab 140 PS gibt.

Sportfahrwerk auf Knopfdruck

Magnetic ride ist eine elektronische Dämpferregelung, bei der man auf Knopfdruck in einen sportlicheren Fahrwerkmodus wechseln kann. Man fühlt dabei, wie sich die Frequenz der übertragenen Fahrbahnunebenheit am Steuer und im Sitzfleisch deutlich erhöht. Aber, ob einem der Spaß wirklich 1.270 Euro wert ist, muss man mit seiner Haushaltskasse abmachen.

Technisch raffiniert ist die Spielerei allemal, denn mit dem Knopfdruck verändert sich durch ein Magnetfeld die Fließgeschwindigkeit des Öls in den Dämpfern und verschiebt die Fahrwerksabstimmung ein bisschen in Richtung Sportwagen. Selbst kleine Wankbewegungen des Fahrzeugs werden jetzt unterdrückt, die Lenkung wird noch etwas enger.

Wenige äußere Retuschen

Sportliches Fahrwerk
Sportliches Fahrwerk © Foto: Audi

Während die Bi-Xenon-Scheinwerfer weiter bei den Extras zu finden sind, gehört das Tagfahrlicht aus je sieben LEDs pro Frontleuchte fortan zur Serie. Daneben zählen in den Außenspiegeln integrierte Blinker noch zu den auffälligeren Retuschen an der Karosse des aufgefrischten A3. Gefeilt wurde an Motorhaube, Kotflügeln und Kühlergrill. Die dreitürige Version erhielt eine Lichtkante an der Heckklappe. Die kleinen Veränderungen ließen das Auto um 2,5 Zentimeter auf 4,24 Meter wachsen. Der A3 Sportback legte einen unerheblichen halben Zentimeter auf 4,29 Meter zu. Innen gibt es nun unter anderem Chromringe um Luftdüsen und Lichtschalter sowie neue Knöpfe rund um das Audiosystem.

S3 Sportback als Topversion

Neu in der Baureihe ist der Audi S3 Sportback. Der sportliche Viertürer will es mit 195 kW/265 PS wissen und jagt denn auch in 5,8 Sekunden von null auf hundert, erreicht abgeregelte 250 km/h mit seinem 2.0 TFSI-Motor. Er bildet die dynamische Spitze einer Motorenfamilie, die aus fünf Benzin- und drei Dieselaggregaten besteht. Der um 400 Euro angehobene Einstiegspreis in die A3-Welt beginnt künftig ab 20.350 Euro. Zu den Händlern kommt er im Juli.






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