23. August 2017

Fahrbericht Variante des Verkaufshits BMW R nineT Pure: Überzeugt nicht nur Puristen

Die BMW R nineT Pure vermag zu überzeugen.
Die BMW R nineT Pure vermag zu überzeugen. © BMW

Mit der R nineT hat BMW einen Verkaufshit gelandet. Das Bike gibt es mittlerweile in verschiedenen Versionen. Darunter auch die Pure. Sie hat eine Menge zu bieten, nicht nur für Puristen.




Nein, ungeschickt sind sie nicht in der Marketingabteilung von BMW Motorrad. Erst haben sie die in vielen Details wirklich schön gemachte R nineT gebracht und mit dem verhältnismäßig teuren Retro-Bike einen großen Verkaufserfolg eingefahren: Monatelange Wartezeiten waren 2014 und auch noch 2015 eher die Regel als die Ausnahme.

Mittlerweile dürfte der „Verkaufs-Rahm“ der edlen R nineT zu einem guten Teil abgeschöpft sein, da spannen die drei inzwischen dazugekommenen Versionen Racer, Urban G/S und Scrambler ihre Muskeln und bescheren der Baureihe weiter anhaltende Erfolge. Ganz unten in der Preisliste steht mit 12.300 Euro etwas verschämt die R nineT Pure. Dieses Modell ist trotz reduzierter Ausstattung keine halbe Sache.


Antrieb der Pure die reine Freude

Grundsätzlich gilt: Der unveränderte Antrieb durch den luft-/ölgekühlten Zweizylinder-Boxermotor ist auch bei der Pure die reine Freude: Druckvoll, geschmeidig, saftig agiert der Boxer, verleiht beim Bummeln wie beim engagierten Kurvenfressen überragende Souveränität. Auch das Zusammenspiel mit dem Sechsganggetriebe sowie dem Endantrieb über die in der Einarmschwinge rotierende Kardanwelle überzeugt. Freilich muss man gegenüber den teilverkleideten Versionen Racer und Urban G/S mit etwas höherem Benzinverbrauch rechnen; der Luftwiderstandsbeiwert von Naked Bikes ist nun mal grundsätzlich schlechter. Doch die im Mittel verbrauchten 5,4 Liter pro 100 Kilometer bei meist zügiger Fahrweise sind absolut angemessen.

Gegenüber der Luxus-Variante R nineT wird bei der Pure nur eine konventionelle Telegabel des Herstellers Showa statt einer aufwändigeren USD-Gabel verwendet. Die Abstimmung der Pure-Forke ist vorzüglich gelungen; sie spricht fein auf Unebenheiten an und zeigt sich erst von wirklich grimmigen Widerständen wie extremen Brückenfugen oder durch den Asphalt drückenden Baumwurzeln so beeindruckt, dass dies der Fahrer zu spüren bekommt. Auch das hintere Federbein mit 12 Zentimetern Federweg wird seiner Aufgabe bestens gerecht; es ist straff genug abgestimmt für zügiges, auch schnelles Kurvenräubern und zugleich von überraschend umgänglichem Wesen. Vorspannung und Dämpfer-Zugstufe sind variabel.

Reduzierte Ausstattung

Das puristische Cockpit
Das puristische Cockpit © BMW

Sehr reduziert – jedenfalls für BMW-Verhältnisse – gibt sich die Ausstattung der R nineT Pure: Das runde Zentralinstrument zeigt die gefahrene Geschwindigkeit mittels eines Zeigers an, dazu gibt ein kleines LC-Display Aufschluss über Tageskilometer, Uhrzeit und Motoröl-Temperatur. Nicht gefunden haben wir im Display die von BMW in der Verkaufsbroschüre genannte Anzeigefunktion von Durchschnittstempo und Durchschnittsverbrauch. Gestört hat’s uns, ehrlich gesagt, nicht. Gelangt man nach etwa 270 gefahrenen Kilometern in den Bereich der Benzinreserve, springen eine gelbe Kontrollleuchte sowie ein Zählwerk an; es verdeutlicht die gefahrene „Reserve“-Strecke. Braucht es mehr? Wir jedenfalls haben noch nicht mal den Drehzahlmesser vermisst, denn der drehmomentstarke Boxermotor lässt sich perfekt nach Gehör und Gefühl fahren.

Auch sonst gibt sich die Pure ganz reduziert: Die Testmaschine wies als aufpreispflichtiges Zubehör lediglich die verchromten Auspuffkrümmer sowie Heizgriffe und die schicken, kleinen LED-Blinker auf. Im Angebot sind ansonsten noch der handgebürstete Aluminiumtank der Luxus-Version (wahlweise mit sichtbarer oder verschliffener Schweißnaht), Speichenräder, die abschaltbare Stabilitätskontrolle ASC und eine Diebstahl-Warnanlage. Wer will, kann das Fahrzeug auch als tiefergelegte Version bekommen, womit die Sitzhöhe von 80,5 auf 77,5 Zentimeter absinkt.

Fußrasten lassen sich demontieren

Die Sitzbank an der R nineT Pure
Die Sitzbank an der R nineT Pure © BMW

Eine Besonderheit der Pure-Version ist die Möglichkeit, den Soziusrahmen sowie die Beifahrer-Fußrasten zu demontieren, sofern reiner Solobetrieb gewünscht ist. Damit verändert sich die Optik des Motorrads deutlich, weil die Maschine noch kompakter wirkt. Nicht mehr möglich ist in diesem Fall die Montage der funktional absolut überzeugenden Hecktasche. Das wasserdichte Behältnis findet nämlich auf dem Soziussitz seinen Platz, wobei es mit vier Gurten am Chassis verzurrt wird. Nach einiger Gewöhnung konnten wir die für Montage bzw. Demontage nötige Zeit auf immerhin vier Minuten reduzieren. Absolut unfummelig ist dagegen das Auflegen bzw. Abnehmen des ebenfalls funktional voll überzeugenden Tankrucksacks; beim Tanken der Pure geht das Freilegen des Tankdeckels ruck-zuck.

Polarisiert hat die BMW R nine T Pure lediglich in einem Punkt: Der dem Edelstahl-Auspufftop entströmende, unter Last sehr präsente Sound wird von den Meisten als „herrlich“, „gelungen“ und „super“ bezeichnet, eine Minderheit hält fest, die Pure sei „einfach zu laut“. Die Klappenregelung der Klang-Maschine überlässt es dem Fahrer, ob er seine Umgebung nervt oder schont: Mit Konstantgas lassen sich Ortschaften dezent durchfahren, wer aber am Gasgriff spielt, zieht schnell die Blicke Umstehender auf sich – und nicht jeder reagiert begeistert auf die alle Fahrer rundum überzeugende BMW R nine T Pure. (SP-X)






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