19. Mai 2009

Fahrbericht BMW F 800 GS Aufsteigen und ankommen

Die F 800 GS im Offroad-Einsatz
Die F 800 GS im Offroad-Einsatz © Foto: BMW

Die R 1200 GS ist und bleibt der Bestseller in der Modellpalette von BMW. Doch die F 800 GS braucht sich hinter der großen Schwester nicht zu verstecken, auch wenn sie nicht in jedem Bereich voll überzeugen kann.




Von Frank Mertens

Der erste Augenblick entscheidet in der Regel über Sympathie oder Antipathie. Fängt das Unwohlsein bereits beim Platznehmen an, dann dürfte es keine Beziehung auf Dauer werden. Wenn es aber gleich auf Anhieb stimmt, dann könnte das der Beginn einer lange andauernden Freundschaft werden. So wie auf der BMW F 800 GS.


88 Zentimeter Sitzhöhe

Gut, die einteilige Sitzbank ist schmal geschnitten, doch keinesfalls unbequem. Auch nicht für großgewachsene Fahrer. Sie können auf der kleinen Schwester der R 1200 GS sehr kommod sitzen. Die Sitzhöhe von 88 Zentimetern sorgt selbst für Fahrer jenseits der 1,90 Meter für eine entspannte, unverkrampfte Position. Der Knieschluss ist pefekt. So muss es sein. Nicht ganz optimal sieht es für einen Sozius aus, der durch den leicht ausladenden 16 Liter-Hecktanks doch etwas behindert wird. Doch das ist verschmerzbar.

Das Cockpit an der F 800 GS
Das Cockpit an der F 800 GS © Foto: BMW

Im Vergleich zur großen Schwester macht die F 800 GS von ihrer Optik weniger auf Reise- als auf Sport-Enduro. Sie fühlt sich auch im Gelände gut aufgehoben. Das lässt sich auch an den Radgrößen ablesen: Die F 800 GS ist vorne mit 21 Zöllern unterwegs, hinten ist ein 17 Zoll großes Rad aufgezogen. Das soll nicht heißen, dass die Kleine nicht auch auf längeren Touren ihre Sache ausgesprochen gut macht.

Größeres Windschild

Der Windschild an der F 800 GS von BMW
Der Windschild an der F 800 GS von BMW © Foto: BMW

Zwar könnte das Windschild etwas größer sein, damit die Verwirbelungen im Helmbereich etwas reduziert würden, doch das liegt noch alles im (erträglichen) Rahmen und mindert nicht den guten Gesamteindruck, den die F 800 GS auch als Reisemotorrad hinterlässt. Von ihr kann man auch nach 200 Kilometern entspannt absteigen, ohne gleich in Wehklagen darüber auszubrechen, warum man die Reise nicht doch im Auto angetreten hat.

So sorgt der 85 PS starke Paralleltwin für ausreichend Leistungsreserven: sei es nun auf der Landstraße oder beim Kilometerschrubben auf der Autobahn. Im kalten Zustand braucht der Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor rund drei, bis vier Kilometer, bis er seine Betriebstemperatur erreicht. Bis dahin muss sich der Fahrer auf ein etwas lauteres Motorgeräusch und eine etwas unharmonische Gasannahme einstellen, was zwar auffällt, einem wiederrum auch nicht die Zornesröte ins Gesicht treibt. So ist es halt.

Ist der 798 ccm große Motor aber warm, dann gibt es nichts zu meckern. Er macht seine Sache ausgesprochen gut. Die Laufruhe ist im mittleren Drehzahlbereich sehr angenehm, wird ab 5500 Touren aber etwas knorriger, wobei die Betonung auf etwas liegt.

Gute Sechsgang-Schaltung

Mit Topcase und Seitenkoffern bestückt
Mit Topcase und Seitenkoffern bestückt © Foto: BMW

Die Sechsgang-Schaltung macht einen guten Eindruck, die Gänge flutschen nur so, ohne das häufig bei BMW-Motorrädern monierte nervige «Klong». Das maximale Drehmoment der F 800 GS liegt bei 83 Newtonmetern, die bei 5750 Umdrehungen in der Minute anliegen. Bestnoten verdient sich die BMW aufgrund ihrer Wendigkeit vor allem im Stadtverkehr, hier lässt sie sich mühelos durch den Stau manövrieren (was man als Motorradfahrer natürlich nicht macht). Auch im Soziusbetrieb bewahrt sie sich ihr gutes Handling.

Der Kettenantrieb an der F 800 GS
Der Kettenantrieb an der F 800 GS © Foto: BMW

Doch nicht überall verdient sich die kleine GS Bestnoten. Vor allem das sehr tiefe Wegsacken der Up-Side-Down-Gabel ist arg unschön und sorgt bei einer Notbremsung für eine Schrecksekunde. Das ABS wartet zudem mit einem schlecht zu bestimmenden Druckpunkt und einem gewöhnungsbefürftigen Regelverhalten auf. Doch das ist kein Grund, sich nicht für das ABS zu entscheiden. Es sollte mittlerweile eine Selbstverständlichkeit darstellen, nur Motorräder mit ABS zu kaufen. Bei BMW ist es zudem für den Geländeeinsatz abschaltbar. Doch trotz dieses Kritikpunktes macht die F 800 GS ihre Sache ausgesprochen gut.

Saftiger Einstiegspreis

Der Motor im Gitterrohrrahmen
Der Motor im Gitterrohrrahmen © Foto: BMW

Wer mit ihr auch ab und an auf Reisen gehen will, dem seien die Seitenkoffer empfohlen. Sie sind nicht nur kinderleicht anzubringen, sondern lassen sich durch Verstellbügel auch im Volumen erweitern. Links bringen sie es auf ein Volumen von 19 bis 29 Liter, rechts von 28 auf 38 Liter. Ein Helm findet dort aber keinen Platz, dafür muss man ein Topcase ordern. Einziger und größter Wermutstropfen an der F 800 GS ist wieder einmal der Preis. Er liegt für die Basisversion bei 9950 Euro.

Auch im Gelände zu empfehlen
Auch im Gelände zu empfehlen © Foto: BMW

Wer sich dann noch für ABS (710 Euro), LED-Blinker (95 Euro) oder Heizgriffe (195 Euro) entscheidet, ist locker im Bereich von 11.000 Euro angelangt - für eine Enduro wohlgemerkt. Aber BMW ließ sich seinen Premiumanspruch von seinen Kunden schon gerne etwas teurer bezahlen.






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