9. Februar 2012

Fahrbericht Umschmeichelte Kundschaft BMW 1er Active E: Einer für Elektronauten

Der BMW 1er Active E ist ein sportliches E-Auto.
Der BMW 1er Active E ist ein sportliches E-Auto. © BMW

Dieser BMW 1er macht was her. Auf den ersten Blick denkt man aufgrund der Wölbung auf der Motorhaube an ein Modell der M GmbH. Doch dieses Coupé ist ein Elektroauto. Ein ausgesprochen sportliches, wie unser Test zeigt.




Ist es unbändige Kraft? Wer diesen weißen BMW 1er im Rückspiegel auftauchen sieht, notiert vermutlich sofort die mittig aufgewölbte Fronthaube, die dem bulligen Coupé eine aggressivere Note verleiht. Darunter jedoch etwa ein neues Triebwerk aus dem Sortiment der M GmbH zu wähnen, wäre ein Irrtum. Tatsächlich wird dieser 1er von einem elektrischen Heckmotor angetrieben. Unter der eindrucksvollen Haube türmt sich ein Lithium-Ionen-Akku-Modul - je ein weiteres findet sich im Mitteltunnel und unter der Rückbank.


170 PS starker Elektromotor im BMW 1er Active E

Die insgesamt rund 450 Kilogramm schweren Akkumulatoren speisen einen 125 kW/170 PS starken Elektromotor, der direkt an der Hinterachse montiert ist und seine Kraft per Eingang-Getriebe auf die Straße bringt. Das Fahrzeuggewicht liegt bei 1,8 Tonnen. Damit besitzt dieser 1er das schlechteste Leistungsgewicht aller 1er Coupés. Die Fahrleistungen können sich dennoch sehen lassen: Mit 250 Nm Drehmoment ist den Hinterreifen zwar nur ein sehr verhaltenes Quietschen zu entlocken, dann stürmt der Münchner aber in rund 9 Sekunden bis auf 100 km/h und legt auch anschließend noch mit kaum vermindertem Nachdruck an Geschwindigkeit zu, bis er bei 145 km/h - unser Testfahrzeug lief sogar über 150 km/h - sanft in den Abregler läuft.

Subjektiv fühlt sich der Fahrer im 1er ActiveE - so lautet die sperrige Modellbezeichnung - über den zu Verfügung stehenden Geschwindigkeitsbereich hinweg sehr gut motorisiert. Der Antrieb macht sich nur durch ein leises Singen bemerkbar, und das verleiht dem Fahrerlebnis eine gewisse Leichtigkeit. Jedenfalls dann, wenn es geradeaus geht. Sobald der Fahrer kurvige Landstraßen ansteuert, bringt sich unweigerlich das hohe Gewicht dieses Elektroautos zur Erinnerung: Bei Belegung aller vier Sitzplätze wird locker die Zwei-Tonnen-Marke überschritten. Querdynamische Agilität ist nicht die starke Seite dieses Elektroautos; immerhin bleibt es auch bei hohen Kurvengeschwindigkeiten unerschütterlich in der Spur.

Deutliche Effizienzsteigerung

Ein Blick auf den Stromfluss im BMW Active E
Ein Blick auf den Stromfluss im BMW Active E © BMW

Die Betätigung des Fahrpedals ist übrigens neu zu erlernen: Wer gedankenlos den Fuß vom "Gas" nimmt, erlebt eine Verzögerung, die es in sich hat. Die heftige Bremswirkung ist Absicht: So lässt sich Energie zurückgewinnen - BMW spricht von Effizienzsteigerungen um bis zu 20 Prozent. Erst kurz vor dem Stillstand geht der 1er in automatiktypisches Kriechen über. Wer lieber sanft dahinrollen möchte, anstatt die Motorbremse zu nutzen, muss Halbgas geben. Dann klinkt sich der E-Motor aus, und es geht beschaulich im Freilauf voran. Heute nennt man das "Segeln". Übrigens gibt es auch noch eine konventionelle Bremsanlage, wenn die Verzögerungswirkung des E-Antriebs nicht ausreicht.

Der Übergang fühlt sich schwammig an, aber eigentlich braucht man die normale Bremse nur für die letzten paar Meter vor der Ampel. Und dann gibt es noch den "Eco-Pro"-Schalter: Wird er betätigt, agiert die Klimaanlage sanfter, die Gaspedalkennlinie ist weniger aggressiv, und der Fahrer wird mit Ratschlägen versorgt, um den Energiekonsum weiter abzusenken.

160 Kilometer elektrische Reichweite

Das Heck des BMW 1er Active E
Das Heck des BMW 1er Active E © BMW

Er tut gut daran, sie zu beherzigen, denn selbst bei schonender Fahrweise sind höchstens 160 Kilometer Reichweite drin. Das reicht nur dann aus, wenn man seinen Aktionsradius auf ein urbanes Umfeld beschränkt. Dann genügt auch der zerklüftete Kofferraum, der nur 200 Liter fasst; die Taschen, mit denen sich dieses Potential ausnutzen ließe, müssten allerdings noch erfunden werden. Ansonsten ist das Interieur fast identisch mit jenem der profaneren 1er-Modelle.

Die bei den Designern zwischenzeitlich aus der Mode geratene Farbe Blau reüssiert in Form von Ziernähten, die Dekorleiste strahlt in Weiß, und der iDrive-Bildschirm erteilt auf Knopfdruck detailliert Auskunft über die Energieströme, die durch den Antrieb dieses 1er zucken. Ansonsten ist die Ausstattung komplett: sie umfasst unter anderem Xenon-Licht, Ledersitze, eine Klimaautomatik und ein Navigationssystem. Variationen sind hier nicht möglich, und in Abwandlung eines Diktums von Henry Ford bekommt man den 1er ActiveE "in jeder Farbe, vorausgesetzt sie ist weiß".

Noch verfügt das elektrische Fahren über den Reiz des besonderen: Als "Elektronauten" und "Advokaten der Nachhaltigkeit" umschmeichelt BMW die Kunden, die man - vorwiegend in den USA - mit günstigen, erheblich quersubventionierten Leasingkonditionen locken will. "Durch die verschneite Stadt gleiten, sie weder mit Lärm noch mit Emissionen in ihrem Schlaf stören", romantisiert BMW auf der deutschen Webseite. Wer so ein Auto fahren möchte, ist gehalten, sich an die Vertriebskanäle der Herstellers zu wenden, um auf die Liste der Auserwählten zu kommen. Das war bei seinem Vorläufer, dem Mini E, genauso; der kommende, vollelektrische BMW i3 wird dereinst ganz normal beim Händler zu erwerben sein. Die Elektronauten kommen: Man hört sie nicht, aber man erkennt sie an der großen Haube. (SP-X)






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