18. April 2011

Fahrbericht Ab 91.800 Euro Audi A8: Gediegen fahren im Oberklasse-Schiff

In 5,5 Sekunden erreicht der Audi A8 die 100 km/h
In 5,5 Sekunden erreicht der Audi A8 die 100 km/h © Audi

Von außen ist der Audi A8 nur bedingt von den kleineren Modellreihen zu unterscheiden. Und nicht immer ist der Platz hinter dem Beifahrer der wahre Chefsessel.




Von Markus Henrichs

Hut ab! Es gibt sie also noch, die Oberklasse-Limousinen, die dem geneigten Geschäftsmann von Welt im Fond ausreichend Kopffreiheit lassen. Einer der letzten Vertreter der automobilen Vorstandsriege mit ausreichend Luft nach oben ist neben dem 7er BMW und der Mercedes S-Klasse Audis Luxus-Viertürer A8. Dennoch ist der schönste Platz im Ingolstädter Flaggschiff nicht der auf der Rückbank.


Ein Hauch von Understatement

Wie sich das für einen Top-Manager gehört, der den Business-Knigge beherrscht, versprüht der Oberklässler ein Hauch von Understatement. Denn von außen sieht der A8 aufgrund seiner Audi-typisch gedrungenen Statur weniger repräsentativ aus als er vom Interieur her er tatsächlich verkörpert. Das liegt am bewährten Ingolstädter Baukastenprinzip, das nicht nur Entwicklungskosten spart, sondern auch allen Audi-Limousinen ihr einheitliches, unverwechselbares Markengesicht gibt.

Der A8 macht da keine Ausnahme. Steht man ihm mit seinem LED-Scheinwerfer-Gesicht Auge in Auge gegenüber, könnte man ihn bei flüchtigem Betrachten auch für einen zu groß geratenen A6 halten. Einmal eingestiegen, zerstreuen sich aber alle Zweifel an der Klassenzugehörigkeit dieses Autos im Nu: Begrüßt wird der Reisende am Ende eines langen Arbeitstages von gediegen gedämpftem Licht. Luxus pur, wohin das Auge blickt: Verchromte Luftdüsen, Edelholzapplikationen, Hirschnappaleder, im Fußraum cremefarbener Teppich. Bei jedem Regler, jedem Schalter, den man in die Hand nimmt, wird das Bemühen spürbar, den Oberklasseanspruch durch Materialwahl und Verarbeitung einzulösen.

Viel Fahrspaß hinterm Steuer

Der Audi A8 macht mehr Spaß, wenn man selber lenkt
Der Audi A8 macht mehr Spaß, wenn man selber lenkt © Audi

Ein Anspruch, der bei der Fahrt im Stadtverkehr wie auf der Fernstraße seine Fortsetzung findet. Aufgrund der Audi-typisch harten und direkten Dämpferabstimmung, die auf den hinteren Plätzen auch kleinste Unebenheiten und Querrillen direkt an die Insassen überträgt, ist die A8-Limousine allerdings eher ein Auto zum selber Fahren als zum Gefahren werden. Das dürfte ihren Einsatz als Geschäftswagen für Top-Manager, die mit Vorliebe hinten Platz nehmen, um zwischen zwei Terminen ihr Tagesgeschäft zu regeln, nicht unbedingt zuträglich sein.

Sitzt der Gewerbetreibende dagegen selbst am Steuer, könnte es sein, dass er vor lauter Fahrspaß die täglichen Verpflichtungen schnell vergisst. Ist man in der glücklichen Lage, über das seidenweich in der Hand liegende, Dreispeichen-Ledersportlenkrad die Richtung eigenhändig vorgeben zu dürfen, kennt der A8 keine Zicken, sondern macht einen Heidenspaß. Wird er um enge Ecken gescheucht, "schrumpft" der Ingolstädter Oberklässler trotz seines Ausmaßes auf gefühltes A4-Format. Präzise folgt das Aluminium-Chassis den Lenkbefehlen des Fahrers. Die Rückmeldung des aktiven Fahrwerks tut sein Übriges dazu.

In 5,5 Sekunden auf 100 km/h

Beim Audi A8 ist der schönste Platz nicht unbedingt hinter dem Beifahrer
Beim Audi A8 ist der schönste Platz nicht unbedingt hinter dem Beifahrer © Audi

Treibende Kraft dabei ist der Antriebsstrang: Mühelos, fast spielerisch schiebt der 4,2 Liter große V8-Turbodiesel die trotz Alu-Leichtbauweise satte zwei Tonnen schwere Limousine auf Reisegeschwindigkeit. Den Antritt von null auf 100 km/h legt der Selbstzünder in 5,5 Sekunden zurück. Die Kraft des 258 kW/351 PS-Triebwerks wird dank DSG-Doppelkupplungsgetriebe so harmonisch übertragen, dass man getrost die Finger von den Schaltwippen lassen kann. Auf diese Weise bringt Audis Oberklassevertreter trotz seiner ausladenden Maße und gewaltigen Masse das ingenieurstechnische Kunststück fertig, eher als Düsenjet denn als typisches "Dickschiff" daherzukommen. Leichtfüßiges Surren statt plumpes Poltern ist angesagt, trotz des beinahe brachialen maximalen Drehmoments von 800 Nm, das schon ab 1750 Umdrehungen anliegt.

Zu Wohlfühllauten verführt einen der A8 noch aus einem anderen Grund. Nämlich dann, wenn der Finger des Fahrers die links unter seinem Sitz versteckte Massagefunktion ertastet hat, die gegen 1610 Euro Aufpreis erhältlich ist. Sie ist ein weiterer guter Grund, den Platz am Steuer dem auf dem Rücksitz vorzuziehen. Eine Fülle von weiteren exquisiten Ausstattungsschmankerln macht das Gesamterlebnis "Luxusklasse" komplett.

Optimale Cruise Control

Bei 91.800 Euro beginnt der Audi A8
Bei 91.800 Euro beginnt der Audi A8 © Audi

Hervorzuheben, weil sinnvoll, ist der auch Zweiradfahrer zuverlässig erkennende Spurwechselassistent (800 Euro Aufpreis), der nur bei Nieselregen etwas hypernervös agiert, sowie der 2000 Euro extra kostende automatische Abstandsregler "Adaptive Cruise Control" (ACC). Innerhalb zuvor festgelegter Parameter hält er selbstständig Abstand zum Vordermann und schließt geschmeidig auf, was auch bei Fahrzeugen dieser Preisklasse längst nicht selbstverständlich ist und bei einem Anschaffungspreis von 91.800 Euro dann auch nicht mehr stark ins Gewicht fällt.

Fazit: Nach Ablauf der Testwoche fällt es schwer, den Funkschlüssel abzugeben und gegen den eines handelsüblichen Kompaktklässlers einzutauschen. Selbst gut verarbeitete Modelle etablierter Volumenhersteller fühlen sich plötzlich an wie Fahrzeuge zweiter Klasse; so schwammig das Steuer, so gewöhnlich der Kunststoff. Und vor allem aber kein Mensch (und auch keine Maschine) mehr an Bord, der die stressgeplagten Schultern knetet. (mid)






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