30. November 2011

Fahrbericht Zehn Millionen Fahrzeuge seit 1972 Audi A4: Bereit zum neuen Dreikampf

Die meisten Kunden entscheiden sich für einen Audi A4 Avant
Die meisten Kunden entscheiden sich für einen Audi A4 Avant © Audi

Mercedes und BMW haben ihre neuen Mittelklassemodelle schon vorgestellt. Audi zieht nun nach und hat dabei einen sparsamen Benzinmotor im Angebot.




Von Elfriede Munsch

Im Dreikampf um die Vorherrschaft in der Premiummittelklasse bringt Audi gegen den neuen 3er BMW und die im Frühjahr aufgehübschte Mercedes C-Klasse jetzt einen überarbeiteten A4 ins Spiel. Neben dezenten optischen Retuschen überzeugt der Ingolstädter Bestseller mit Motoren, die zum Teil fast 20 Prozent sparsamer sind als ihre Vorgänger. Das gilt insbesondere für den neuen 1.8 TFSI mit 125 kW/170 PS, der als Avant ab 32.550 Euro in der Preisliste steht.


Mehrheit entscheidet sich für einen Audi A4 Avant

Die Modellfamilie A4 ist erfolgsverwöhnt. Seit 1994 haben sich mehr als fünf Millionen Kunden für die Mittelklasse von Audi entschieden. Rechnet man noch seinen Vorgänger A80 mit ein, sind seit 1972 über insgesamt acht Generationen sogar mehr als zehn Millionen Fahrzeuge von den Bändern gerollt.

In Deutschland entscheiden sich die meisten Kunden für den Avant genannten Kombi. Bei der Motorisierung sind die Käufer zurückhaltend. Die Topmotorisierung S4 mit 245 kW/333 PS treibt sicherlich bei vielen Interessenten den Puls höher, doch bei dem Unterschrift unter den Kaufvertrag lassen die Käufer finanzielle und emotionale Vernunft walten und entscheiden sich meist für einen Diesel unter der Haube.

Sparsamster Audi A4 Avant 2.0 TDI ab 33.650 Euro

Der Audi A4 kommt mit einem neuen 1.8 TFSI
Der Audi A4 kommt mit einem neuen 1.8 TFSI © Audi

Das 2,0-Liter-Aggregat vereinigt das Gros der Bestellungen auf sich. Es wird in fünf Leistungsstufen von 88 kW/120 PS bis zu 130 kW/177 PS angeboten. Darüber ist der 3,0-Liter-Sechszylinder mit 150 kW/204 PS oder 180 kW/245 PS angesiedelt. Der Leistungsstärkere verfügt über Allradantrieb. Die Triebwerke wurden im Zuge des Facelifts verbrauchsoptimiert. Für die Reduzierung beim Treibstoffkonsum sorgen u.a. das serienmäßige Start-Stopp- sowie Rekuperationssystem. Eine elektromechanische Servolenkung ist nun bei allen Varianten Standard. Sie ist für eine Ersparnis von bis zu 0,3 Litern gut.

Sparsamstes Triebwerk ist der 100 kW/136 PS starke TDI, der als Kombi ab 33.650 Euro in der Liste steht. Nur 136 PS in einem Mittelklasse-Kombi könnte man als ein Zuviel an Bescheidenheit interpretieren. Und der ein oder andere mag Befürchtungen haben als lahme Ente auf der rechten Spur der Autobahn zu versauern. Doch die Gefahr besteht nicht. Der überarbeitete Selbstzünder mit 320 Nm ist agiler als erwartet. Der Standardsprint gelingt in 9,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist mit 215 km/h angegeben. Letztere ließ sich allerdings auf den portugiesischen Autobahnen nicht ausprobieren. Dafür zeigte der Bordcomputer Verbrauchswerte an, die nur geringfügig über dem Normverbrauch von 4,4 Litern (115 g/km) liegen.

Neuer Audi A4 1.8 TFSI beeindruckt

Im Audi A4 lässt es sich auch weiterhin gut fahren
Im Audi A4 lässt es sich auch weiterhin gut fahren © Audi

Die Dieselfront könnte allerdings bröckeln. Der neue 1,8-Liter-TFSI mit 125 kW/170 PS beansprucht die typischen Diesel-Eigenschaften für sich. Er ist spritzig, durchzugsstark und geht genügsam mit den Treibstoff um. Im Vergleich zum 160 PS starken Vorgänger verbraucht er 18 Prozent weniger und kommt im Avant auf einen Normdurst von 6,1 Litern (141 g/km). Mit 320 Nm, die im Drehzahlband von 1.400 bis 3.700 Umdrehungen bereitstehen, lässt er sich schaltfaul und gelassen bewegen. So gefahren, zeigt der Bordcomputer sieben Liter an. Ein leichter Druck aufs Gaspedal weckt die 170 PS jedoch zum Leben. Das TFSI-Triebwerk steht ab 32.550 Euro für den Avant in der Liste und ist damit rund 1000 Euro günstiger als der 136 PS-Diesel.

Apropos Geld: Natürlich offeriert Audi reichlich Möglichkeiten, den A4 zu individualisieren. Denn bei aller motorischen Bescheidenheit: Der Durchschnitts-A4-Kunde gönnt sich was. Im Schnitt ordert er für 6500 Euro Extras ins Auto. Je stärker die Motorisierung, desto höher der Ausstattungsgrad. Zur Ergänzung der Serie stehen unter anderem die radarbasierte adaptive Cruise Control (ACC) mit Bremseingriff, der Spurwechsel-Helfer, die Einparkhilfe oder das Internet gestützte Verkehrsinformationssystem zur Auswahl.

Serienmäßige Pausenempfehlung für Fahrer des Audi A4

Zahlreiche Assistenten können zum Audi A4 geordert werden
Zahlreiche Assistenten können zum Audi A4 geordert werden © Audi

Serienmäßig gibt es nun die Pausenempfehlung an Bord. Hier wird die Lenkbewegung sowie die Schalter- und Pedalbetätigung des Fahrers analysiert. Bei Abweichungen erfolgt eine Warnung. Wer nicht Rast aufgefordert werden möchte: Das System lässt sich deaktivieren.

Bei den optischen Retuschen des aktuellen Facelifts hat man sich zurück gehalten. So wurde der Kühlergrill dezent verändert. Die oberen Ecken sind nun abgeschrägt. Die Lufteinlässe sind kantiger geformt und die Nebelleuchten sind statt rund eckig ausgeführt. Die Leuchtgrafik des LED-Tagfahrlichts ist als Band gestaltet. Außerdem stehen neue Felgen zur Wahl und im Inneren sind andere Bezugsstoffe, Holzintarsien sowie Lenkräder im Angebot. Bedienelemente sind mit Chromspangen verziert. Wie gehabt punktet das Interieur durch gute Verarbeitung und ein geschmackvolles Zusammenspiel von Materialauswahl und Farbgebung. (SP-X)

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