11. Februar 2010

Fahrbericht Volvo C30 Erst blasen, dann starten

Der Alcoguard gibt die Elektronik frei - oder auch nicht
Der Alcoguard gibt die Elektronik frei - oder auch nicht © Sebastian Viehmann

Volvo hat den C30 für das neue Modelljahr aufgefrischt. Alkoholsünder werden in den Modellen schon vor der Fahrt gestoppt.




Von Thomas Flehmer

«Erst gurten, dann starten», lautete der eindringliche Slogan in den 70er Jahren, der Autofahrer und Insassen auf die seit 1984 bestehende Anschnallpflicht vorbereiten sollte. In kaum einen Auto fehlte der Aufkleber. Knapp 30 Jahre später fordert Volvo seine Kunden ebenfalls zum vorsichtigen Fahren auf. In den aufgefrischten Varianten des C30 feiert der so genannte Alcoguard seine Premiere.


Warten auf das akustische Signal

Im Gegensatz zum Sicherheitsgurt-Slogan, der auf Freiwilligkeit basierte, kann der Alcoguard, der in Schweden besonders von Gewerbe- und Flottenkunden genutzt wird, den Start des Wagens aktiv verhindern. So muss der Autofahrer vor dem Zünden in das handliche Gerät fünf Sekunden lang seinen Atem blasen, ehe der Alkoguard die Elektronik freigibt - natürlich nur, wenn ein bestimmter Grenzwert nicht überschritten wird. Ist der Alkoholspiegel zu hoch, färbt sich die Anzeige im Gerät rot, und der Motor springt nicht. Bei weniger Genuss leuchtet die Anzeige gelb, was bedeutet, dass das Fahren nicht unbedingt empfehlenswert ist, aber die Elektronik trotzdem freigegeben wird.

Der erste Test - ganz ohne Alkohol - avancierte allerdings auch zur Geduldprobe. Im Bordmenü zwischen Drehzahlanzeiger und Geschwindigkeitsmesser wurde der Autor aufgefordert, fünf Sekunden lang zu blasen. Doch nach fünf Sekunden verschwand die Anzeige nicht, der Anlasser blieb stumm. Auch die nächsten Versuche brachten den vermeintlichen Autofahrer trotz 0,0 Promille immer mehr in Verlegenheit. Aber beim vierten oder fünften oder sechsten Versuch stieß der Alcoguard ein akustisches Signal aus und der Vorgang klappte und entließ den Delinquenten aus der immer weiter steigenden Verzweiflung.

Frei schwebende Mittelkonsole

Erst nach dem Starten konnte der Blick die aufgewerteten Materialien im Innenraum genießen. Ins Auge fällt die - laut Volvo «scheinbar frei schwebende» und in Silber gehaltene, die genaue Dekorbezeichnung lautet Oyster Burst Deco, Mittelkonsole. Auch der aufklappbare Monitor in der Mitte des Armaturenbretts fällt automatisch in das Blickfeld.

Bei den Sitzen dagegen hat Volvo nicht dazugelernt. Sie sind weiterhin zu konturlos und geben trotz eines guten Fahrwerks zwar viel Platz, aber zu wenig Seitenhalt. In den Kofferraum müssen die wenigen Habseligkeiten mühselig geschoben werden, da die Plastikabdeckung, die der alten Wachsdecke aus der Gartenlaube ähnelt, sich nicht gerade stark öffnet. Geschuldet ist die Abdeckung der langgezogenen Heckscheibe, die auch in der aufgepeppten Version sehr elegant daherkommt. Auch die beiden Chromendrohre in den Topversionen T5 und D5 unterstreichen die sportlichen Ambitionen ebenso wie die erneuerte Frontpartie.

DRIVe als Kauftipp

Und dank 132 kW/180 PS ist der Top-Diesel auch flott unterwegs. Die Lenkung ist direkt, die Sechsgangschaltung könnte dagegen knackiger sein. Doch bei einem Einstiegspreis von 26.500 Euro - der 230 PS starke Top-Benziner startet 1000 Euro später - werden die beiden Aggregate eher sparsam geordert.

Eher bietet sich der 1.6 D DRIVe für 22.400 Euro an. Werden noch weitere 400 Euro investiert, steht auch ine Start-Stopp-Automatik zur Verfügung, mit der der C30 lediglich 99 Gramm CO2 pro Kilometer verbrauchen soll. Bei einem kürzlich von einer Fachzeitschrift veranstalten Alltagstauglichkeitstest schnitt der kompakte Volvo mit 124 Gramm gemeinsam mit dem Golf Bluemotion am besten ab. Erst auf dem dritten Platz folgte der rund 3000 Euro teurere Toyota Prius, dessen Bremsenergie-Rückgewinnung aber nach dem Rückruf wieder besser zum Tragen kommen wird.

Interessant für Flottenkunden

Stellt sich eigentlich nur noch die Frage, wer von den auf Verbrauchsminderung bedachten Käufern so unvernünftig ist, um einen Kontrolleur im Form des 850 Euro teuren Alkoguard an Bord zu holen. Für Privatkunden wird sich das sinnvolle Gerät, eher nicht lohnen. Denn zum einen kann es elektronisch überlistet werden, was allerdings einen Werkstattbesuch nach sich ziehen wird.

Interessant ist der Atemtester aber gewiss auch in Deutschland für Flotten- und Gewerbekunden, die ihre Fahrzeuge durch den Alcoguard besser geschützt sehen - frei nach dem Motto: Erst blasen, dann starten.






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